Handgeschriebene Noten von Georg Kölbl mit dem Datum 16. Juni 1925.

 

Chronik der Trachtenkapelle Apfeldorf

Der erste schriftliche Nachweis einer Musikkapelle stammt aus dem Jahre 1884, zwei Ländler-Hefte für Trompete. Der nächste Hinweis ist eine Quittung über 25 Mark, ausgestellt vom Veteranenverein Epfach, für die Musikkapelle Apfeldorf, am 12. Mai 1891, unterzeichnet Matthias Floritz, Musiker. Dieser Matthias Floritz war es auch, der nach dem Ersten Weltkrieg 1919/1920 junge Musiker ausbildete und im Jahre 1921 , als auch der Trachtenverein gegründet wurde, die Trachtenkapelle ins Leben rief. Die Jungen waren: sein Sohn der Matthias Floritz, dann der Stückl Josef, der Schamper Josef, der Floritz Georg, die Brüder Schmid Benedikt und Schmid Johann, der Kölbl Ludwig sowie der Schmid Sebastian.

Zu dieser Zeit gab es dann zwei Musikkapellen in Apfeldorf. Erst als die Musiker Kölbl Georg und Walser Peter zur Trachtenkapelle wechselten, löste sich die alte Musik auf. Im September 1928 ist der Matthias Floritz sen. verstorben,  spätestens von da an hat sein Sohn Matthias Floritz, genannt der Boss, oder der lang Hiasl, die Musik als Musikmeister geführt. In den 30er und 40er Jahren halfen sich Apeldorfer und Kinsauer Musiker gegenseitig aus. Vor und während des Zweiten Weltkrieges waren zwei Beselbrüder schon fast fester Bestandteil der Musik.

In den ersten Jahrzehnten hat es keinen Dirigenten gegeben, die Musiker haben das selber gemacht. 1956 ist die Trachtenkapelle dem Musikbund Ober –u. Niederbayern, Bezirk Oberland beigetreten und haben gleich beim Bezirksmusikfest in Weilheim mitgemacht, Dirigent war der Kölbl Georg. 1959  war wieder ein bedeutendes Jahr für die Musik. Der Boss hat nämlich gesagt „I hör jetzt auf und du Hias machst jetzt den Vorstand“. Der Hias, das war sein Sohn „Matthias Floritz (der Dritte), und der hat den Vorstand 40 Jahre lang gemacht - bis 1999! Man muß sich das mal vorstellen: Der alte Floritz, dann 31 Jahre der Boss , dann 40 Jahre der Sattler Hias. Das sind 78 Jahre Vorstand Matthias Floritz in drei Generationen. Fast 80 Jahre haben die Floritz´ens  die Trachtenkapelle geprägt. 1999 bei der Ehrung vom Hias ist sogar der Musikbund in Verlegenheit gekommen, denn über 50 Jahre aktiv und davon 40 Jahre Vorstand, für so eine hohe Auszeichnung hat es  noch keine Ehrengabe gegeben.

Aber auch musikalisch hat sich einiges geändert. Der Hias hat den Matthias Haseitl als Dirigent gewinnen können. Der Haseitl, der später des Baugeschäft aufbaute, heiratet 1964 Rosa Kölbl, also wurde Schwager vom Kölbl Schorsch. Unterm Haseitl wurde ganz viel Wert auf auswendiges  Spielen gelegt. Durch Zufall kamen die Apfeldorfer mal beim Festwirt Schmid zum Spielen und der war so begeistert, dass unsere Musik fast überall bei ihm gespielt hat. 1961 hat er die Musik angekündigt „Ein neuer Stern ist am Musikhimmel aufgegangen – Die Trachtenkapelle Apfeldorf!" In den 60er und 70er Jahren haben die Apfeldorfer bei den Volksfesten in Schongau, in Mittenwald, in Dießen,  in Weilheim und in Peiting gespielt, sie waren beim Gartenfest in Nürnberg und zur Priminz in Schweinspoint. Mit Ihrer Musik, zackige Märsche, auswendige Schunkelrunden und Stimmungslieder im Wechsel mit Solostücken, haben sie damals die Bierzelte gerockt.

Bis 1969 hat der Haseitl dirigiert, dann kam die Ära vom Dirigent Josef Walser. Unterm Walser Josef wurde die erfolgreiche Stimmungsmusik so weiter gespielt, aber darüber hinaus legte der neue Dirigent viel Wert auf konzertante Blasmusik. Man nahm an Wertungsspielen vom Musikbund teil und hat in den späten 60er Jahren Weihnachtskonzerte beim Kölbl abgehalten. Im Jahre 1971 veranstaltete die Trachtenkapelle das erste Frühjahrskonzert mit Starkbierausschank im Gasthaus Rose. Seit dem gibt’s jedes Jahr ein Konzert, immer um Josefi, am dritten Wochenende im März.

In den 60er und 70er war es üblich, dass Musiker aus den Kapellen Rott und Reichling in Apfeldorf aushalfen oder Apfeldorfer bei denen. Der Piller und der Dempfle spielten ganz oft bei den Apfeldorfern. Legendär in dieser Zeit waren auch die Musikerausflüge, dazu gibt’s ganz viele Geschichten und Anekdoten.

 

Josef Walser war 20 Jahre lang Dirigent der Trachtenkapelle von 69 bis 1989. Danach übernahm Karl Geiger die Musik. Seine musikalische Leidenschaft war die tschechische und böhmische Blasmusik und mit der hat sich die Trachtenkapelle einen ganz guten Ruf erspielt. Aber auch das Konzertante feilte er heraus, manchmal bis an  die musikalischen Grenzen der Kapelle,  und hat damit das Niveau hoch gehalten. Bis 1999 war Karl Geiger Dirigent, danach hat Georg Kölbl  jun. die Kapelle übernommen. Kölbl legte wieder mehr Wert auf die traditionelle bayerische Blasmusik. Durch sein Wissen und Können konnte das Leistungsniveau der Kapelle gehalten werden. Die jährlichen Frühjahrskonzerte fanden ab 1999 in der zur Mehrzweckhalle umgebauten Turnhalle statt. In den Jahren 2010 und 2011 beteiligte sich die Trachtenkapelle bei den Wertungsspielen in der Kategorie "traditionelle Blasmusik, Stufe B" und erreichte jeweils das Prädikat "mit sehr gutem Erfolg". Nach dem Lechgau-Trachtenfest 2014, das die Musik als Festkapelle mitgestaltete, verkündete Georg Kölbl seinen Rücktritt als Dirigent. Im Oktober 2014 konnte Richard Beinhofer als neuer Dirigent gewonnen werden. Georg Kölbl übergab den Dirigentenstab und trat als Trompeter und als stellvertretender Dirigent ins zweite Glied zurück.

 

Zur Vorstandschaft ist dann noch anzumerken, nach dem Hias wurde der Beinhofer Richard von 99 – 2002  Vorstand, dann von 2002 – 2009 war Josef Walser jun. sechs Jahre lang  erster Vorsitzender und  jetzt  Helmut Ehle. Unter der Führung vom Beinhofer Richard ist die Musik umgezogen. Sie hat jetzt ihren Proberaum in der Mehrzweckhalle,  über der Bühne. Davor hat die Musik 80 Jahre lang beim Kölbl in der Wirtschaft geprobt. Da hat man von der Stuben zwei Tisch ins Nebenzimmer gestellt, am Stammtisch einen Gatter als Notenständer hingestellt, kurz durchgelüftet wegen an Simon und alten Vogt seine Zigarren, Trommel vom Keller rauf geholt und losgegangen ist es.

Die Trachtenkapelle macht heut noch manchmal vor der  Generalversammlung oder vor der Weihnachtsfeier eine historische Musikprobe beim Kölbl.

Helmut Ehle

 

Die Trachtenkapelle Apfeldorf bei einem Frühjahrskonzert im Gasthaus Rose anfang der 90er Jahre.

 

Chronologie

1884 Handgeschriebene Noten von Georg Rohe, datiert 1884

1891 Quittung vom Veteranenverein Epfach 12.Mai 1891

1902 Plakat und Foto vom Schützenfest Schwaller

1907 Lechbrückeneinweihung Foto und Aufzeichnungen Schwaller

1918/19 Matthias Floritz bildet junge Musiker aus

1921 Gründung der Trachtenkapelle, Erster Musikmeister und Vorstand

Matthias Floritz , geb.: 22.12.1858, gest. 22.09.1928. Es gibt zwei

Musikkapellen im Dorf.

1922 Erstmalige schriftliche Erwähnung „ Trachtenkapelle“ in der Chronik des

Trachtenvereins. Nachdem Kölbl Georg und Walser Peter von der alten

Kapelle zur Trachtenkapelle wechseln, löst sich die alte Musik auf.

1923 Erstes Foto , Musiker : Floritz Matthias, Walser Peter, Kölbl Georg,

Schmid Johann, Schmid Sebastian, Kölbl Ludwig, Stückl Josef, Schmid

Benedikt, Schamper Josef, Floritz Georg.

1928 nach dem Tod von Matthias Floritz übernimmt sein Sohn Matthias Floritz

(geb.: 04.01.1903 ) genannt „lang Hiasl oder Boss“ , die Trachtenkapelle

30´ger - 40´ger Jahre kein Dirigent Leitung hat Floritz oder Kölbl. Vor und

während des Krieges Aushilfen aus Kinsau und hilft auch auswärts aus,

Kinsau, Rott, Reichling.

1956 Beitritt in den Musikbund Ober-und Niederbayern-Bezirk Oberland.

1957 Teilnahme am Bezirks und Bundesmusikfest in Weilheim unter der

Leitung von Dirgent Kölbl Georg.

1959 Mathias Floritz (Geb.: 22.03.1930, gest. 25.06.2010 ) genannt „Sattler

Hias“, übernimmt in dritter Generation die Musik. Matthias Haseitl aus

Kinsau wird als Dirigent gewonnen.(Heiratet 1964 Rosa Kölbl)

60´ger Jahre Die Trachtenkapelle steigert sich unter Haseitl zu einer

Spitzenkapelle im weiten Umland. Sie spielt regelmäßig bei Volksfesten

in Schongau, Dießen, Mittenwald und Peiting .

1967 Beim Musikantenwettstreit der bayrischen Blaskapellen in München im

Bürgerbräukeller belegt Apfeldorf den 2. Platz und erhält als Preis ein

Bariton.

1969 Josef Walser übernimmt als Dirigent

1971 Erstes Frühjahrskonzert mit Starkbierausschank im Gasthaus Rose

Trachtengaufest - Festkapelle

1973 Es wurden erstmal ein 2. Vorsitzender (Kölbl Georg ), ein Kassier

(Strommer Max ) und ein Schriftführer ( Rauch Josef ) gewählt, bzw.

bestimmt !

1981 70 Jahre Trachtenkapelle - Feier im Gasthaus Rose

1989 Dirigent Karl Geiger

1997 Trachtengaufest in Apfeldorf - Festkapelle

1999 Dirigent Georg Kölbl jun.

1. Vorsitzender Beinhofer Richard

1. Frühjahrskonzert in Mehrzweckhalle mit Eigenbewirtung

2000 Trachtenkapelle bekommt eigenen Proberaum in der Mehrzweckhalle

über dem neuen Bühnenanbau. Bühnenausbau und Probenraum Ausbau

in Eigenleistung der Musiker.

2001 80 Jahre Trachtenkapelle - Feier mit Festabend in MZH

2002 1. Vorsitzender Walser Josef jun.

2008 Walser Josef tritt zurück. Kein Vorstand gefunden Bettina Besel 2.

Vorsitzende, Silvia Kölbl Kassier und Josef Rauch Schriftführer führen

den Verein.

2009 Helmut Ehle 1. Vorsitzender

2011 90 Jahre Trachtenkapelle - Feier mit Sternmarsch und Festabend in MZH

2014 Festkapelle beim Lechgau-Trachtenfest in Apfeldorf

2014 ab Oktober Dirigent Richard Beinhofer