Klangkörper verjüngt

„Heimat ist da, wo wir uns wohlfühlen“ meinte der jugendliche Ansager Philipp Stückl bei den Frühjahrskonzerten in Apfeldorf. Die Trachtenkapelle präsentierte sich stark verändert mit sehr vielen jungen Musikerinnen und Musikern. Trotzdem war die Harmonie in dem auf 38 Akteure angewachsenen Klangkörper spürbar und auch hörbar, wo sich offensichtlich Jung und Alt wohl fühlen.

Die Frühjahrskonzerte der Trachtenkapelle, die mit einem kräftigen Starkbier und kulinarischen Schmankerl zu einem echt bayerischen Abend abgerundet werden, zählen zu den Höhepunkten im Dorfleben. Schon seit drei Jahren laden die Musiker zu zwei Konzerten und an beiden Abenden war die Mehrzweckhalle mit rund 200 Zuhörern gefüllt. Entsprechend der jungen Mannschaft hat der Dirigent Richard Beinhofer das Programm nicht zu anspruchsvoll, aber frisch und beschwingt zusammengestellt. Auch der Ansager wurde verjüngt. Nach vielen Jahren der Moderation durch Vorstand Helmut Ehle übernahm heuer Philipp Stückl das Mikrofon. Einem Konzertmarsch zur Eröffnung folgte das Potpourri „Maske in blau“ und schon konnte Stückl den ersten Solisten ankündigen.

Noch nicht mal volljährig ist Maxi Köpf bereits ein routinierter Solist, der mit seinem Saxofon den amerikanischen Oldie „Yakety Sax“ interpretierte und dafür spontan eine Zugabe geben musste. Mit der flotten Polka „Blasmusik macht Freude“ wurde zum Ende des ersten Teiles unter Beweis gestellt, dass man auch die traditionelle Blasmusik beherrscht.

Die Pause füllte die Jugendkapelle „Durchanand“, ebenfalls unter der Leitung von Richard Beinhofer. Aus Apfeldorf, Birkland, Kinsau, Schongau und Wessobrunn kommen die 19 Akteure dieser jungen Besetzung. Ihre drei Stücke präsentierten sie mit erstaunlicher Musikalität, besonders beim „Chattanooga Choo Choo“ war der Glenn Miller-Sound sehr schön zu hören.

„Der schicke Berthold“ entpuppte sich zu Beginn des zweiten Teils als Solist Stephan Socher, der sich mit den warmen Tonfolgen seines Tenorhorns in die Herzen der Zuhörer spielte. Beim anschließenden „Jungle Book“ gab es einiges zum Schmunzeln, denn der unverwechselbare Elefantenmarsch, die Gemütlichkeit von Balu der Bär oder der wilde Affenstall bei König Lui ließen sofort die Bilder des Films aufleben. Einer der bewährtesten Solisten in Apfeldorf ist Robert Zwick, diesmal nicht am Xylophon, sondern am Schlagzeug. Bei „Purple drums“ kostete er seine Möglichkeiten mit den verschiedensten Trommeln und Percussion um sich herum vollends aus.

Nach zwei Stunden mit diesem beschwingten und gefälligen Konzertprogramm hörten die Musiker aber noch nicht auf, sie setzten sich nach kurzer Pause wieder auf die Bühne und spielten zum gemütlichen Starkbierabend bis nach Mitternacht weiter. 

Obwohl sich die Trachtenkapelle Apfeldorf stark verjüngt hat, konnten einige sehr langjährige Ehrungen ausgesprochen werden.  Als Vertreter des Musikbezirkes Oberland durfte Franz Landes den Bassisten Josef Zwick für sagenhafte 60 Jahre aktives Musikerleben auszeichnen. „Das sind die großen Vorbilder, davor ziehe ich meinen Hut“ lobte Franz Landes beim Blick auf die rund 3000 Proben und 1800 Auftritte, die Josef Zwick in seinem Musikerleben absolvierte. Für 40 Jahre wurde Josef Walser geehrt, der auch sechs Jahre als erster Vorstand wirkte. Auf 25 Jahre können Bettina Besel und Michael Beinhofer (leider nicht anwesend) blicken. Bettina Besel ist außerdem bereits 18 Jahre in der Vorstandschaft, anfangs als zweite Vorsitzende und jetzt als Schriftführerin. 

Rosi Geiger